Die Restauration meines 67ers

Bild von Andreas Meyer

Der Bericht ist zwar nicht neu, ich möchte in dieser Kategorie mal einen Anfang machen und neben dem Bericht auch einen Teil meiner Fotodokumentation einstellen. Mittlerweile fahre ich diesen Ro seit 12 Jahren. Wie die Zeit vergeht... 

 

Im November 1996 fuhren wir – mein Vater und ich – nach Brühl um meinen Ro 80 abzuholen; ein Geschenk von Herrn Dr. Kroesen, bei dem ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte.

Gleich nach unserer Ankunft sind wir zum Ro 80 gegangen, wobei wir uns andauernd gefragt haben, wie wir den da herausbekommen sollen.

Und dann startete die Aktion: Als erstes musste aus dem Schuppen, in dem er stand, eine Wand herausgeschlagen werden, um das Fahrzeug nach draußen zu bekommen. Aber dann kam zum Vorschein, dass die Räder halb im Boden versunken waren. Er stand ja immerhin schon seit zwölf Jahren dort. Herr Dr. Kroesen hatte die Reifen bereits mit Luft gefüllt und wir versuchten nun mit fünf Mann den Ro herauszuschieben – vergeblich. Der Bremse saß fest. Wir lösten die Bremse und da der Wagen einmal hochgehoben war, legten wir Bretter unter die Reifen. Beim nächsten Versuch klappte es: wir schoben ihn nach draußen. Doch dann kam auch schon das nächste Problem. Inzwischen schneite es heftig. Der Ro bewegte sich nicht mehr,
sondern versank immer weiter im weichen Erdreich. Nach mehreren Versuchen, ihn vielleicht doch noch zu schieben, gaben wir es auf. Dann kam die Idee; wir nahmen zwei Schleppseile, eine Stange, kauften noch vier weitere Seile dazu und haben Herrn Dr. Kroesens Ro 80 mit meinem verbunden (sämtliche Bäume dienten als Umlenkrollen). Wir waren fast 30m auseinander und konnten uns gegenseitig nicht sehen. Herr Dr. Kroesen zog an und wir kamen ca. 10m vorwärts. Dann musste erst einmal die Kettensäge her. Auf der Wiese standen inzwischen drei Kirschbäume – in zwölf Jahren kann sich halt einiges verändern. Einer musste dran glauben. Wir nahmen zwei Abschleppseile heraus und es ging weiter. Diesmal nicht ganz so weit. Links stand ein Baum und rechts lag ein Stein. Normalerweise hätte man geradeaus durchfahren können, aber dort stand das Haus. Nach mehrmaligem Hin- und Herschieben ging es quer über die Terrasse auf den Hof und auf den Trailer. Die Aktion war nach ca. 3 Stunden beendet.

Jetzt wollten wir erst mal wissen, ob der Motor nach so vielen Jahren noch läuft. Dazu machten wir einen Ölwechsel und eine Batterie wurde eingebaut. Die Spannung stieg: Schlüssel rein und ... nichts. Die Zündschlosskontaktplatte war kaputt. Also holten wir ein neues Zündschloss, steckten die Kabel um und er sprang sofort an! Auf dem Hof war niemand mehr sicher – etliche Walnüsse schossen aus dem Auspuff und flogen bis vor die Kellertür. Der Motor lief gleichmäßig durch und hörte nach kurzer Zeit auf zu qualmen. Wir konnten nur staunen.

Dann ging es ans Zerlegen. Im Innenraum waren wieder jede Menge Walnüsse zu finden. Aber nicht nur die Mäuse, sondern auch der Rost hatte sich eingenistet. So wütete der Rost aufgrund eines verpfuschten Heckschadens am Heckblech, an den Seitenteilen, an den hinteren Federbeindomen, am Kofferraumboden und an der C-Säule. Mehrere Löcher fanden sich auch an der Frontschürze, an der Unterseite der Türschweller, an den Sitztraversen sowie an den vorderen Längsträgern. Die Türen und Hauben haben wir gleich entsorgt.

Unsere größte Sorge war jedoch der Kofferraum. Letztendlich musste ein neuer Kofferraumboden, ein neues linkes Innenradhaus, zwei neue Seitenteile, ein neues Heckblech und eine neue C-Säule her. Nach dem Problem der Ersatzteilbeschaffung kam schon das nächste Problem auf uns zu: die C-Säule wurde 1968 geändert und unser Ersatzteil war aus dem 69er Jahrgang. Wegen der anderen Form haben wir das Innere der C-Säule erneuert und vom äußeren Teil nur das nahezu identische untere Stück erneuert.

Nach einigen Monaten Arbeit am Heck ginges dann langsam nach vorne. Die Unterseiten der Türschweller wurden von vorne bis hinten, wie viele andere Kleinteile, in mühseliger Handarbeit angefertigt. Eine neue Frontschürze fand sich in Kiel. Der Unterbodenschutz wurde restlos entfernt und erneuert, der Motorraum und der Innenraum neu lackiert. Anschließend ging der Ro in die Lackiererei. Als Farbe wählte ich derbyrot, einen Farbton der laut NSU-Werksunterlagen 1967 nur einmal als Farbmuster lackiert wurde.

Sie fragen sich sicherlich, warum jemand so einen Schrotthaufen noch restauriert. Der Grund ist, dass es sich hier um einen Ro 80 aus der aller ersten Serie handelt – der 309. Ro 80, der gebaut wurde. Er verließ am 22. Dezember 1967 die Fertigungshalle in Neckarsulm und wurde an das Fahrzeughaus Steffen & Sohn in Bergheim/Erft ausgeliefert.

Baunummer: 309 der Serie 1967
Fahrgestell-Nr.: 80 001 471
Motor-Nr.: 612 01 374
Getriebe-Nr.: 381
Farbe: derbyrot
Ausstattung: Leder schwarz
Extras: Sicherheitsgurte vorn
Radio Becker Grand-Prix
Halogenzusatzscheinwerfer
Tag der Fertigung: 22. Dezember 1967
Erstzulassung: 15. Januar 1968

Hallo Andreas,

 

dank für den Bericht - die lese ich meistens am liebsten :) Und am allerliebsten mit vielen schönen Fotos :)

 

Irgendwann, wenn Zeit und Geld da sind, würde ich meinen auch gerne komplett auseinandernehmen und "fabrikneu" herrichten. Aber bis dahin muss er einfach fahren...

 

Viele Grüße,

Micha

Verry nice Andreas. My restauration of my Turkis Grün Ro80 is still going on. When the story so far (ALTES FORUM) is intergrated on this new forum, I'll update that topic again.

 

MfG, Jeroen Rijkers (NL) 

(I was at the Lagerfest together with Geurt v Burken and CvK)

Andreas Meyer schrieb:
Der Bericht ist zwar nicht neu, ich möchte in dieser Kategorie mal einen Anfang machen und neben dem Bericht auch einen Teil meiner Fotodokumentation einstellen. Mittlerweile fahre ich diesen Ro seit 12 Jahren. Wie die Zeit vergeht... 

Auch wenn der Bericht nicht mehr ganz taufrisch ist, lohnt es sich immer wieder zu lesen mit wie viel Enthusiasmus jemand einen Ro80 um die Fahrgestellnummer herum neu aufbaut!

Zitat:
Sie fragen sich sicherlich, warum jemand so einen Schrotthaufen noch restauriert. Der Grund ist, dass es sich hier um einen Ro 80 aus der aller ersten Serie handelt – der 309. Ro 80, der gebaut wurde. ..

Warum auch immer ... sicherlich eine Erfahrung im Leben, die mal nie vergessen wird, oder? Man wird vergessen, dass man mal einen Ro gekauft und gefahren hat, aber so eine Geschichte wird sich bestimmt nicht so oft wiederholen, oder habe ich dich etwa falsch verstanden ?

Wie ist das jetzt eigentlich: ist dein Ro nun der älteste, fahrtüchtige und vorzeigbare Ro80 in Deutschland?

Ich möchte damit ausdrücklich die Ros ausnehmen, die vielleicht noch irgend wo schlummern bzw. weiter vor sich hin rosten!

 

Viele Grüße

Dirk

p.s. vielleicht kommt jemand, der sich im Rahmen einer anstehenden Restauration noch nicht auf eine Farbe eingeschossen hat , beim Anblick der Fotos ja mal auf Idee einen Ro80 im "Harlekin-Look" zu gestalten ?

 

 

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Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.(J.W.v.Goethe)

Bild von Andreas Meyer

Dirk Slembeck schrieb:

Wie ist das jetzt eigentlich: ist dein Ro nun der älteste, fahrtüchtige und vorzeigbare Ro80 in Deutschland?

Ich möchte damit ausdrücklich die Ros ausnehmen, die vielleicht noch irgend wo schlummern bzw. weiter vor sich hin rosten!

 

In Deutschland sind momentan vier 67er auf der Straße, meiner ist der "neueste" von denen.

 

Grüße

Andreas

Andreas Meyer, 2. Vorsitzender, Ro 80 Club International e.V. - Verein für Kreiskolbentechnik