Wofür sind die abgebildeten Kabel ?

Bild von Bernd.H

Hallo, ich habe beim Einbau neuer Batteriepole 3 nicht angeschlossene Drähte in der Nähe der Batterie entdeckt.

Die drei Drähte kommen in der Nähe des Pluspols aus dem dortigen Kabelstrang heraus.

Die Drähte sind mit schwarzen Band umwickelt. Ganz am Ende guckt einer weisser, gelb geringelt mit einem roten Längsstrich und ein weisser Draht braun geringelt heraus.

Ein paar cm davor guckt ein weisser blau geringelt heraus. An dessen Ende ist ein isolierter Flachstecker vorhanden.

 

Ich konnte nicht feststellen das irgendwas nicht funktionieren würde, trotzdem frage ich mich welche Bedeutung diese nicht angeschlossenen Drähte haben könnten?

 

 

Beste Grüße

 

Bernd

Bild von Matthias Unholzer

Die drei Drähte führen zum Diagnosestecker. Der auf Deinem Bild sichtbare Draht mit Winkelstecker war für eine Batteriesonde gedacht. Die beiden anderen Drähte, deren Ringösen offensichtlich abgeknipst wurden, sollten damals direkt zum Minuspol der Batterie und gleichzeitig zum Flachbandkabel direkt an die Karosseriemasse gehen.

 

Viele Grüße
Matthias

Bild von Bernd.H

Hallo Matthias, vielen Dank für deine perfekte Auskunft!

Die Drähte sind also quasi bedeutungslos wenn man den Diagnoseanschluss des Fahrzeugs nicht nutzt.

Dann kann ich sie ruhigen Gewissens wieder verstecken.

 

Danke

 

Bernd

Bild von Guido

Richtig !

 

 

Es muß nicht alles original sein !

Moinsen,
manchmal werden alte Testgeräte angeboten, die mittels eines Adapterkabels an die Prüfnetzsteckdose angeschlossen werden können. Das kann schon nützlich sein... Das Problem ist, das passende Anschlusskabel zu bekommen. Gruß Arne

Merke: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch Kammervolumen!

Moin,

was "können" diese Testgeräte denn eigentlich?

Gruß!
Dan

Tach ausm Zuch nach Bremen!
Ich meine die Tester, die bis ca. Ende der Achtziger beim freundlichem Boschdienst zu finden waren. Die hatten einen Kabelbaum mit verschiedene Klemmen, die im Motorraum an den entsprechenden Messpunkten angeschlossen wurden. Dieser Kabelbaum konnte an einer Schnittstelle getrennt werden und das Ende mit den Klemmen wurde durch ein Adapterkabel ersetzt, das in einen Stecksockel im KFZ passte und den Tester so direkt mit der Bordelektrik verband. Bei VAG wurde das “Prüfnetzsteckdose“ genannt, im Wagen ist also ein Prüfnetz verlegt. Das gab es in verschiedener Ausführung auch bei anderen Fabrikaten und dafür auch die entsprechenden Adapterkabel.
Neben der AU konnten bei VAG Autos auch noch z. B. Blinker, Bremslicht, Batterie und Kompression geprüft werden. So ein Ding ist also gar nicht übel...

Merke: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch Kammervolumen!

Bild von david

Arne Kunstmann schrieb:
bis ca. Ende der Achtziger

AU

und Kompression

 

Das mag ich kaum glauben!

Dazu bräuchte man doch Sensoren die es damals noch nicht gab, bzw. die noch nicht verbaut waren ...

Grüße

david

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1975 aquablau

David, der Schließwinkel wird über die Klemme eins ermittelt, die Findet sich in der Prüfnetzsteckdose. Abgasmessung geht über eine Sonde im Auspuff, die muß da per Hand rein gesteckt werden und der Zündzeitpunkt wird mittels Stroboskop festgestellt. Hier fehlt dem Ro der nächste Entwicklungsschritt, beim z.B. K70 ab Modell 74 ging das auch schon Automatisch. Kompression konnte über den Stromverbrauch des Anlassers grob gemessen werden, allerdings eben nur sehr ungenau weil er ja das nächste Update nicht hat. Das ist bei den sonstigen VAG ein Magnet auf der Schwungscheibe oder Wandler, der je Umdrehung ein Mal über einen Geber in der Kupplungsglocke rotiert und so der Technik signalisiert: Hier ist der OT vom Zylinder 1. Von da aus wird dann gemäß der Zündfolge der Stromverbrauch der Anlassers gemessen.

Merke: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch Kammervolumen!

Bild von Guido

Es freut mich, daß hier im Forum darüber diskutiert wird. Seit Jahren frage ich mich, was denn die Diagnosebuchse für einen Zewck hat und warum es keine Meßgeräte für diese Buchse gibt. Diese Buchse scheint wirklich völlig unnötig zu sein !?

 

 

Es muß nicht alles original sein !

Leute, nur mal so zur Info: Das Prüfnetz war Teil des damaligen "Volkswagen Diagnose und Wartungssystems", auch einfach "Computerdiagnose" genannt. Dabei wurde der Wagen auf einen Prüfstand gefahren und der Bediener prüfte die einzelnen Positionen in einer vorgegebenen Reihenfolge. Das was nicht automatisch ging (Reifendruck, Profiltiefe, Auspuff...) wurde manuell kontrolliert.
Der Besitzer bekam dann einen Ausdruck mit so ca. 50 Prufpositionen, dahinter stand irgendwas wie "Ok" oder eben "nicht OK".
Firmen wie auch Bosch haben sich das zu nutze gemacht und Tester gebaut, die an die Prüfnetzstecknose abgeschlossen werden konnten und je nach Modell und Generation können einzelne Funktionen des Prüfnetzes auch heute noch genutzt werden. Kann man machen, aber auch lassen, je nach Gusto...

Merke: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch Kammervolumen!

Bild von Matthias vom Bodensee

Arne hat vollkommen recht. Über diese "poplige Diagnoseschnittstelle" konnte einiges abgerufen werden. Im Übrigen hatten das alle Fahrzeuge aus dem VAG-Konzern ab Modelljahr 1974 verbaut. Ich hab da schon neben dem Ro80 am Audi 100, Käfer, Audi 50, Passat und Polo gesehen. Allerdings ist mir nicht bekannt wie lange diese Diagnoseschnittstelle verbaut wurde. Das Messgerät dazu ware eine richtige Schrankwand. Vor Jahren ist im EBay mal so ein Ding verkauft worden.

 

Die VW Diagnose war der Vorläufer der späteren Diagnose, welche der VAG-Konzern in den 80ern nutzte und die von Grundig kam. Dort war die Schrankwand zu einem Schuhkartongroßen handlichen mobilen Tester VAG 1551 geschrumpft, mit dem man bei den älteren Fahrzeugen 4-stellige Blinkcodes auslesen konnte, sowie beim Audi 200 der über einen richtigen Fehlerspeicher verfügte eine "richtige" Eigendiagnose machen konnte (Messwerteblöcke auslesen z.B. Temperatur Drosselklappenwinkel usw. Fahrzeugschlüssel codieren für die Wegfahrsperre).

Auf diesem alten System hab ich noch gelernt und das war bei uns bis Anfang der 2000er Jahre gebräuchlich, bis dann die neuere Generation von Siemens kam die deutlich mehr konnte und die auch nötig war für die neuere Fahrzeuggeneration.

Kurioserweise läuft gerade das ganz alte System immer noch am besten ohne Programmabstürze, obwohl die Tester mittlerweile schon 30 Jahre und älter sind! Das nur nebenbei so'n bisschen zur Geschichte des ganzen.

 

Im übrigen bin ich im Besitz solcher ausgefüllter Diagnosetabellen vom Ro80. Der Erstbesitzer hatte die Diagnoseberichte noch im Serviceheft liegen.

Die einzelnen Prüfpunkte entsprechen in etwa den Prüfpunkten heutiger Wartungstabellen und waren jeweils pro Zeile in zwei verschiedenen Farben abgesetzt (weiß und blau).

Man hatte wohl an dem Prüfstand eine Fernbedienung mit Plus und Minus-Taste welche beim drücken dann auf dem Diagnosebericht in Schreibmaschinenform abgedruckt wurden jeweils für i.O. und n.i.O.

 

Wenn Interesse besteht krame ich die mal raus, mach ein Bild und poste das hier mal.

 

Und ja, ich habe mich damals auch gefragt wie man denn bitte über die Diagnoseschnittstelle die Kompression des Motors prüfen will. Das ging tatsächlich über die Stromaufnahme des Anlassers. Ältere Arbeitskollegen haben mir das bestätigt die damals noch aktiv mit dem Ding geschafft haben. Eigentlich ein für die damalige Zeit geniales ausgeklügeltes System, dass sich auch heute noch gescheit nutzen lässt, wenn man weiß welcher Pin für was ist. So lässt sich wie schon angedeutet der Schließwinkel bequem über die Diagnoseschnittstelle auslesen. Wer ein DSO hat (digitales Speicher Oszilloskop) kann dort auch bestimmte Signale sichtbar machen.

 

schöne Grüße

Matthias

Bild von david

Danke für die Erläuterungen Arne.

Der Umweg über den Anlasserstrom gefällt mir, eine schöne kreative Lösung. Für einen Näherungswert wird das reichen.

Und dass man doch noch eine Sonde im Auspuff braucht beruhigt mich auch -- zeigt mir, dass ich nicht völlig falsch gedacht habe (-: 

Viele Grüße

david

 

 

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1975 aquablau

Das klingt ja gut. Danke für die Erklärung!
Bleibt die Frage, wie sinnvoll ein solches Meßgerät für den Heimgebrauch wäre. So ganz abwegig wär das ja nicht....
Memo an mich selbst: Bei Gelegenheit mal den Stromlaufplan rauskramen und nachschauen was da wohin geht.

Gruß vom Dan

Hallo Dan und alle anderen Interessierten,

 

auch mich interessiert der Diagnoseanschluß des Ro 80. Wir haben einen 1973er aber leider keinen passenden Stromlaufplan für das Auto. Alle Stromlaufpläne, die ich bisher durch googlen gefunden habe sind ohne Diagnoseanschluß gezeichnet. Es wäre toll, wenn jemand solch einen Plan hier mal posten könnte.

 

Auch interessieren mich die vielen Relais, die im Motorraum verteilt sind. Ich würde gern mal einen Plan dafür haben. So eine Art Landkarte mit Legende vom Motorraum wäre doch nicht schlecht.

 

Beste Grüße

Bild von ingbw

In den "Technischen Änderungen Ro 80" Nr. 24 zum Reparaturhandbuch Seite 274 ist der Schaltplan mit Diagnosesteckdose (Gerätekennzeichen 37) abgebildet.

Vorhanden ab Modelljahr 1974 und ab FG-Nr. 0841 000 051

Beide Dokumente sind beim Klub erhältlich.

 

Die Schaltpläne zeigen in etwa auch die räumliche Lage aller elektrischen Komponenten, dazu gibt es eine Liste mit den Gerätekennzeichen.

 

Gruß Joachim

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noli turbare circulos meos (Archimedes)

Bild von Bernd.H

Hallo Jürgen, der Schaltplan von dem Joachim spricht ist der zweite Plan den ich dir gestern schickte. Es ist der Plan ab Seite 274 in den Ergänzungen zum Reparaturhandbuch. Die Zip 4 Datei.

 

Grüße

 

Bernd

Danke Bernd, danke Joachim,

Ihr habt mir sehr geholfen. Der Schaltplan ist tatsächlich zutreffend und die angegebene Fahrgestellnummer ist zufällig genau mit der von meinem Ro übereinstimmend. Jetzt hat das langwierige Suchen nach Leitungen ein Ende.

 

Beste Grüße